AUFTRITT: OSCAR VAN DEN BOOGAARD UND STEVEN VAN WATERMEULEN, COREY MCCORKLE, VICTORIA MORTON, CORINNE WASMUHT, WILL STUART
24. Oktober 2004 - 2. Januar 2005
Samstag, 23. Oktober, 19 Uhr Eröffnung

 

 

CORINNE WASMUHT Installationsansicht Bonner Kunstverein, Foto: C. Rühmekorf
COREY MCCORKLE Installationsansicht Bonner Kunstverein, Foto: C. Rühmekorf
VICTORIA MORTON Installationsansicht Bonner Kunstverein, Foto: C. Rühmekorf
OSCAR VAN DEN BOOGAARD, STEVEN VAN WATERMEULEN Installationsansicht Bonner Kunstverein, Foto: C. Rühmekorf
WILL STUART Franny and Zooey, Foto: C. Rühmekorf

Auftritt führt eine heterogene Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern zusammen, deren Werke sich zu keiner klassischen Gruppenausstellung vereinen, vielmehr unterschieldiche Formen der Performanz zusammenführen.. Ausstellen, vorführen oder auftreten? Neben der Malerei und Skulptur stehen Musik, Literatur und Film zur Disposition und werden experimentell durch das Format Ausstellung befragt. Einzelne Werke sind prozessual ausgerichtet, so wie auch die Ausstellung selbst, indem sie Projekte unterschiedlicher Laufzeiten vereint.
CORINNE WASMUHT (*1964, Berlin)
Die Werke von Corinne Wasmuht entstehen in einem langen Malprozess. Übereinander gelegte Farbschichten verweben sich zu abstrakten Gitterstrukturen, in denen fragmentierte Landschaften, oftmals auch der städtische Raum, auftauchen. Aufblitzende Scheinwerferlichter gruppieren sich vor dem Hintergrund perspektivisch ausgerichteter Linienverzweigungen zu einer komplexen, zwischen Abstraktion und Figuration pendelnden Bildkomposition, die unsere Wahrnehmungsprozesse befragt. Wasmuhts besonderer Bezug zur Stadt Bonn und zum Bonner Kunstverein ist Anlass zur Einladung zu einem Projekt, das die Verbindung von institutionellem und städtischem Raum sucht. Das dem Bonner Kunstverein vorgesetzte Wandelement, das die Institution vom städtischen Raum abschirmt und schützt, aber auch trennt, wird durch die fragmentierte Bilderwelt Wasmuhts aufgebrochen und schafft symbolische Durchlässigkeit.
COREY MCCORKLE (*1969, New York)
McCorkles künstlerischer Ansatz zeigt sich mal in Form präziser architektonischer Eingriffe, mal in einfach, jedoch elaboriert ausgearbeiteten Objekten, die Möbelcharakter annehmen, mal in Fotoserien. Ausgehend von historischen Angelpunkten, in denen visionäre und utopische Vorstellungen in besonderem Mass gesellschaftliche Wirksamkeit erreichten, entwickelt McCorkle meist raumbezogene Skulpturen und Installationen. Im Fokus steht die die Menschheit immer begleitende Suche nach Heilsversprechungen, die heute, da der Gesellschaft gemeinsame Werte immer mehr abhanden gekommen zu sein scheinen, erneuten Auftrieb erhält. McCorkles Werke bestechen durch das präzise Nachspüren von Strömungen und Kräften, die Transformation suggerieren. Dabei paart er einfache und zurückhaltende, im Detail fein ausgearbeitete Objekte und Konstruktionen mit der Pflanzenwelt. Die Installation im Bonner Kunstverein nimmt auf die Geschichte des Hauses als ehemalige Blumenmarkthalle Bezug und bietet die Möglichkeit, sich darin aufzuhalten, Kataloge und Magazine zu wälzen, Vorträgen, Lesungen und Performances beizuwohnen, wobei der Ort sehr flexibler nutzbar sein wird. Bei der raum- und ortsspezifischen Installation handelt es sich um McCorkles erste grössere Präsentation in Deutschland.
VICTORIA MORTON (*1971, Glasgow)
Die junge, schottische Künstlerin lotet Form und Potential der Abstraktion und ihren Anspruch auf Darstellung aus. Klassische Malerei, skulpturale Ansätze und Musik kommen dabei ins Spiel, ohne die Medien im cross-over zu vermischen. Ihre meist grossformatige, abstrakte Malerei suggeriert das Landschaftsbild, inneres Psychogramm, Farben und Formen der Modewelt gleichermassen. In den eruptiven, weniger gestischen als konstruierten Farbkompositionen findet der Betrachter keine gültigen Bildachsen vor. Vor der schwebend erscheinenden Formenwelt gleitet der Blick nach Fixpunkten suchend auf der Bildfläche hin und her. Dabei faltet sich der Bildraum auf, die Wahrnehmung von architektonischem und bildnerischem Raum fallen in eins. Morton sucht in ihrer Malerei die Verbindung zum dreidimensionalen Raum und knüpft damit an eine grosse Tradition der Moderne an. Es handelt sich um eine aktuelle Position innerhalb der Abstraktion, die Malerei in seinen Möglichkeiten der Performanz befragt, ohne dabei vom Bild abzukommen. Fulminante Farbklänge bejahen spielerisch die Negation klarer Orientierung und entlassen in eine komplex gebaute, zuweilen psychedelisch anmutende Bilderwelt.
In den letzten Jahren hat die Künstlerin ihre Malerei vermehrt mit eigenen Musikkompositionen gezeigt. Dabei bleiben die Genres getrennt und nehmen keinerlei Illustrationsfunktion füreinander ein. Für die Ausstellung entwickelt Morton eine neue Komposition, die sie neben ihrer Malerei präsentiert. Erstmals wird Victoria Morton in einer Einzelpräsentation ausserhalb von England gezeigt.
OSCAR VAN DEN BOOGAARD (*1964, Antwerpen/Berlin) und
STEVEN VAN WATERMEULEN, (*1968, Antwerpen/Berlin)
Wie kann Text, Erzählung performativen Charakter annehmen? Üblicherweise erfahren sie eine Übersetzung zur Theateraufführung. In welcher Form Literatur im Ausstellungsraum einen Ort finden kann, befragen experimentell unterschiedliche Gäste aus dem Bereich der Literatur, des Theaters und der Kunsttheorie. Den Anfang machen Oscar van den Boogaard und Steven Van Watermeulen mit einer Installation, die auf der Kurzgeschichte “Luzia schmilzt” von van den Boogaard fusst. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das im Begriff ist, sich zu trennen. Zwischen innerem und zwischenmenschlichem Dialog hin und her wechselnd, entwickelt sich ein psychologisch aufgeladenes Ping Pong. Den Dialog, als grundlegendes Element in Text und Theater, übersetzen van den Boogaard und Van Watermeulen im Bonner Kunstverein in eine Installation.
WILL STUART (Will Holder *1969, London/Amsterdam, Stuart Bailey, *1973, London/Amsterdam)
Interessiert an direkter Reaktion und direktem Teilen von Information und Wissen, haben sie ihre Arbeit von der zweidimensionalen schriftlichen Form experimentell in den dreidimensionalen Raum überführt. Im August 2004 haben sie die Erzählung Franny & Zooey von JD Salinger in Form einer Ausstellung und Aufführung in der Galerie de Appel (Amsterdam) präsentiert. Diese Arbeit findet im Bonner Kunstverein eine Fortsetzung. Will Stuart werden zwei Wochen lang im Ausstellungsraum anwesend sein und Filmmaterial über die Ausstellung/Aufführung im de Appel bearbeiten. Performances und Konzerte mit Musikern im Ausstellungsraum werden zur Vertonung aufgenommen und bearbeitet und zum Schluss vorgeführt. Die Ausstellungsräume von der Galerie de Appel und dem Bonner Kunstverein, das Publikum von Amsterdam und Bonn, werden zusammengeführt und leiten zurück zur Erzählung von JD Salinger.

Gefördert durch:

 der Niederländischen Botschaft, den Bonner Reclame-Werkstätten und der Topalovski & Sohn GmbH