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(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Titel

Motiv II

Künstler

Balkenhol, Stephan

Jahr

1993 (Griffelkunst-Edition)

Maße

20,1x30 cm

Art

Lithographie, 269 B 2

Standort/Nummer

Artothek im Bonner Kunstverein, Nr. 0873

Schlagworte

schlagwort 2, schlagwort 3, schlagwort 4

Der Bildhauer Stephan Balkenhol ist bekannt als figürlich und
gegenständlich arbeitender Künstler. Seine Holzplastiken und -reliefs
sind inzwischen in vielen Museen für zeitgenössische Kunst
vertreten.
Seine Arbeiten sind gekennzeichnet durch Einfachheit. Er reduziert
seine Werke auf das Wesentliche. Er übersättigt sie nicht mit
Eigenschaften oder belädt sie mit Attributen, sondern zeigt sie in
alltäglichen Posen und normaler Alltagskleidung. Sie wirken unter
Betonung des Materials durch ihre bloße Anwesenheit. Diese Werke
lassen jeden Interpretationsansatz offen.
Die Artothek im Bonner Kunstverein verfügt über drei Lithographien,
die einem achtteiligen Zyklus entstammen, den Stephan Balkenhol
1993 für die "Griffelkunst Vereinigung" schuf, einer buchringartig
organisierten gemeinnützigen Grafikedition. Diese Druckgrafiken, die
der Künstler sonst nicht anfertigt, stehen damit schon formal im
Gegensatz zu seinen Plastiken und Zeichnungen, die nur als Unikate
existieren.
Die Motive I, II und IV weisen die gleichen Charakteristika wie seine
plastische Arbeit auf: sie bestechen durch ihre Einfachheit. Sie
bestehen aus Strichlinien und leichten Schraffuren, sind einfarbig
gehalten und verzichten auf jeden Schnörkel. Auch inhaltlich liefern
die vorliegenden Lithographien den Betrachtern schon vorgegebene
Ansätze: der Künstler "erzählt kleine Geschichten". Sie zeigen das
friedliche Miteinander von Mensch und Tier, in - auf den ersten Blick
- ungewohnten Situationen. Obwohl die Figuren gegenständlich
dargestellt sind, stellen sich die Situationen, in denen sie sich
befinden, als unrealistisch heraus.
Die Figuren sind gekennzeichnet durch ihre Ort- und Zeitlosigkeit.
Sie treten anonym und isoliert vor einem leeren Hintergrund auf. Die
Bilder haben keinen Rahmen und schweben daher frei im Raum.
Ihre Blicke sind starr und können nicht erwidert werden. Die Figuren
wirken nichts- und zugleich vielsagend. Aus dieser Zweideutigkeit
entsteht ihre Faszination: der Ausdruck, der so angespannt wie auch
gelassen scheint, ihre ausstrahlende Nähe und gleichzeitige Ferne,
die Anteilnahme und Distanz.
So ruft jede Betrachtung neue Gedanken und Assoziationen hervor.
Es stellen sich aber auch gleichzeitig immer neue Fragen, die trotz
gegenständlicher Darstellung nicht geklärt werden können.
Magnus Gellert, 8/94