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- Arcangelo

Arcangelo wird 1956 in Avellino im süditalienischen Benevento geboren. Hier
wächst er auf, umgeben von einer Landschaft, die von Trockenheit und Hitze
gekennzeichnet ist. Die schwarz-braune Erdoberfläche ist karg, verkrustet und
von der Sonne verbrannt. Dieser Ort ist ein Treffpunkt der Gegensätze, an dem
Vergangenheit und Gegenwart, mythologische Einflüsse, Religion und
zeitgenössische Vorstellungen aufeinandertreffen. Natur und Ursprünglichkeit
stehen Kultur und Zivilisation gegenüber. Arcangelos Vergangenheit hat großen
Einfluß auf sein Werk ausgeübt; hier wurzeln seine Ideen und Themen.


Die Kunstwerke zeigen vornehmlich auf zeichnerische Gesten reduzierte
Darstellungen von Landschaften, Bergen, Tälern, Flüssen. Die Faszination der
elementaren Naturkräfte drückt eine romantische Stimmung in seinen Bildern
aus, die Flaminio Gualdoni als „mediterranen Romantizismus“ bezeichnet.


Arcangelo hat eine starke Bindung zu den natürlichen Stoffen der Erde. Sein
Werk umfaßt Malerei, Zeichnungen und Plastiken. Er wendet oft Mischtechniken
an, hauptsächlich auf der Basis von Kohlezeichnungen, kombiniert mit Asche,
Pastellkreiden, Bleistift und Tempera. Seine Skulpturen erschafft er aus Wachs,
Holz, Eisen, Gips, Erde oder Terrakotta. Die Erde ist für ihn ein elementarer
Grundstoff für das Entstehen eines Kunstwerks. Auffällig ist, daß Arcangelo fast
nur die beiden Nichtfarben Schwarz und Weiß verwendet. Dort, wo Farbe
auftaucht, ist es meist ein Rostrot, seltener Grün, Blau oder Ocker.


Charakteristisch für seine Bilder ist die dezentrale und unruhige Anordnung der
einzelnen Elemente auf der Bildfläche. Strukturen, die das Material vorgibt,
greift Arcangelo in den Werken auf und integriert sie. Gegensätze in den Bildern
erzeugen Spannung. So taucht Massives neben Fragilem auf, Eckiges neben
Rundem, Helles neben Dunklem. Verdichtungen, Verwischungen, die die reine
Form auflösen, und fragmentarische Striche sind formale, auffällige
Eigenschaften, die Dynamik entstehen lassen. Trotz der verwendeten dunklen
Farben erscheinen die Bilder jedoch lebendig aufgrund ihrer künstlerischen
Formulierung.


Arcangelo geht es darum, in seinen Bildern etwas fühlbar und erfaßbar zu
machen. Sein Sinn für das Dunkle und Geheimnisvolle läßt viele Bilder magisch
wirken und verleiht ihnen geradezu einen spirituellen Ausdruck. Da die meisten
seiner Zeichnungen keinen Namen haben, „Senza Titolo“, besitzt der Betrachter
einen großen Spielraum für eigene Assoziationen.


Die in der Artothek des Bonner Kunstvereins verfügbare Arbeit, „Atteso dai lupi“
, „Erwartet von Wölfen“, ist eine Mischtechnik aus Kohle, Bleistift und Rötel auf
Papier aus dem Jahr 1999. In der rechten oberen Ecke des Bildes sieht man
einen schwarzen unregelmäßigen Fleck, der wie mit dem Finger aufgetragen
und wie eine dunkle Regenwolke wirkt. Einzelne Bleistiftstriche in der unteren
Bildhälfte weisen pfeilartig zur Bildmitte hin. Ihnen schließt sich ein ebenfalls
schwarzer Kohlefleck an, der nach oben verwischt ist und nach oben hin
ausläuft wie der aufsteigende Rauch eines Feuers. Einige schwarze
Fingerabdrücke sind wie zufällig über das Papier verteilt.



Anne-Katrin Scheiter, 9/2000